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18.09.2020

Ein Interview mit Petra Spallek, Corporate Vice President Purchasing bei Henkel

Erneuerbare, CO2-freie Alternativen anstelle von Energie aus fossilen Brennstoffen

Der neue Windpark in Bee County, Texas, USA

   

Erneuerbare Energien spielen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels. Für Henkel ist die Umstellung auf CO2-freie Energiequellen einer der wichtigsten Ansatzpunkte, um bis 2040 ein klimapositives Unternehmen zu werden. Petra Spallek, Corporate Vice President Purchasing, erläutert, wie unser Unternehmen seine konkreten Ziele zur vermehrten Nutzung von Grünstrom verfolgt.

Petra, Henkel möchte klimapositiv werden. Wie trägt das Einkaufs-Team dazu bei?

Klimapositiv zu werden bedeutet, den Klimaschutz zu unterstützen, indem wir fossile Energie durch klimaneutrale Alternativen wie Solar- oder Windkraft ersetzen – und dann die zusätzliche CO2-freie Energie, die wir nicht benötigen, an Dritte liefern. Neben unseren Bemühungen, an unseren eigenen Standorten grünen Strom zu erzeugen, spielt dabei unser Einkauf eine Schlüsselrolle, denn wir entscheiden über alles, was unser Unternehmen einkauft, also auch über Energie. Die Vision von Henkel, klimapositiv zu werden, wird durch die anspruchsvollen Ziele unterstrichen, mehr Grünstrom für die Herstellung unserer Produkte zu nutzen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den CO2-Fußabdruck unserer Produktion bis 2025 um 65 Prozent und bis 2030 um 75 Prozent zu reduzieren. Um dies zu erreichen, wird Henkel seine Energieeffizienz weiter verbessern und seinen Energieverbrauch an den Standorten reduzieren. Darüber hinaus wollen wir bis 2020 50 Prozent und bis 2030 100 Prozent des in der Produktion eingesetzten Stroms aus erneuerbaren Quellen beziehen. Strategische Einkaufsentscheidungen leisten hier einen entscheidenden Beitrag, denn nur über langfristige Verträge mit lokalen und nationalen Anbietern können wir diesen Grünstrom beziehen.

Was sind die bisher größten Meilensteine, die ihr erreicht habt?

Wir sind wirklich stolz darauf, im Jahr2020 ein groß angelegtes Virtual Power Purchase Agreement (VPPA) in den USA unterzeichnet zu haben. Damit haben wir zugesichert, 50 Prozent der in einem neuen Windpark in Bee County, Texas, erzeugten Energie zu kaufen. Das entspricht 100 Prozent der Energie, die wir in den Betrieben unserer 30 Produktionsstätten in den USA verbrauchen. Der Vertrag ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen unseren Einkaufs- und Finanzteams und zeigt, wie innovativ wir bei der Beschaffung erneuerbarer Energien vorgehen können. Eine großartige Leistung – und gleichzeitig Ausgangspunkt für die Evaluierung dieses Konzepts für andere Regionen.

Petra Spallek, Corporate Vice President Purchasing

Flexible und länderspezifische Ansätze sind der einzige Weg, um unser Ziel, bis 2030 100 Prozent des in der Produktion verwendeten Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, zu erreichen.

Wie genau funktionieren VPPAs?

VPPAs sind Verträge zwischen einem Erzeuger erneuerbarer Energie und einem anderen Akteur – in diesem Fall Henkel. Wir haben vereinbart, eine bestimmte Menge an Energie vom Erzeuger abzunehmen, die in das nationale Versorgungsnetz eingespeist wird. Damit tragen wir zum Aufbau zusätzlicher Kapazitäten für die Erzeugung von erneuerbarer Energie bei. Das nennt man eine "virtuelle" Vereinbarung, da wir die Energie aus dem Windpark nicht direkt an unsere Standorte transportieren können. Natürlich sind VPPAs nur ein Teil unseres Ansatzes, um die Umstellung auf erneuerbare Energien an unseren Standorten in der ganzen Welt zu beschleunigen.

Was tut Henkel noch, um den Wechsel zu erneuerbaren Energien zu fördern?

Jedes Land hat eine andere Infrastruktur und andere Vorschriften für den Energiesektor, zudem sind die jeweiligen Wetterbedingungen in den einzelnen Ländern ein zentraler Aspekt der lokalen Energieversorgung. Aus diesem Grund sind flexible und länderspezifische Ansätze der einzige Weg, um unser Ziel, bis 2030 100 Prozent des in der Produktion verwendeten Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen, zu erreichen. Deshalb kombinieren wir weltweit drei verschiedene Modelle für die Beschaffung von erneuerbaren Energien: Vor-Ort-Produktion, Direkteinkauf und virtuelle Abdeckung.

Vor-Ort-Produktion: Dieses Modell sieht die Erzeugung von Ökostrom an unseren Standorten mit Hilfe von Windturbinen, Solarzellen oder anderen Technologien vor. Die Finanzierung der Infrastruktur erfolgt dabei entweder durch Henkel selbst oder durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern.

Direkteinkauf: In diesem Modell beziehen wir Ökostrom direkt aus dem Netz des örtlichen Energieversorgungsunternehmens oder im Rahmen eines langfristigen Stromabnahmevertrags (Power Purchase Agreement, kurz PPA).

Virtuelle Abdeckung: Wie im Beispiel der USA beschrieben, gibt es einige Situationen, in denen wir unseren Strombedarf nicht durch Vor-Ort-Produktion oder Direktbezug decken können. In diesen Situationen lässt sich die Forderung nach Grünstrom virtuell decken. Zum Beispiel durch den Abschluss langfristiger PPAs, die grünen Strom aus bestimmten Anlagen in das Versorgungsnetz einspeisen – in der Menge, die der verbrauchten Menge entspricht.

Könntest du ein Beispiel für die Vor-Ort-Produktion von grünem Strom nennen?

Unser Standort in Kurkumbh, Indien, ist dafür ein gutes Beispiel. Es ist die größte Klebstoffproduktionsstätte in Indien und wurde 2020 eröffnet. Wir haben rund 7.000 Quadratmeter Solarzellen auf dem Dach installiert, die mehr als 1.000.000 Kilowattstunden erneuerbare Energie erzeugen und jedes Jahr etwa 800 Tonnen CO2 einsparen. Daran wird deutlich, wie wir unsere Ziele hinsichtlich Effizienz und erneuerbarer Energien bereits in der Konzeptionsphase beim Bau neuer Produktionsstätten integrieren. Und es gibt bereits Pläne, weitere 2.000 Quadratmeter Solarzellen an diesem Standort zu installieren und unseren Grünstromanteil zu erhöhen, indem wir Solarstrom auch direkt von einem externen Energieversorger beziehen.

Was sind die nächsten Schritte?

Wie bereits erwähnt, sind wir ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, einen positiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und unsere Vision, ein klimapositives Unternehmen zu werden, voranzutreiben. Dazu bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Teams und Abteilungen aller Bereiche unseres Unternehmens. Unser Supply-Chain-Team arbeitet beispielsweise maßgeblich daran, unsere Ziele zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Senkung der Emissionen an unseren Produktionsstandorten zu erreichen – unsere CO2-Reduktionsziele wurden im März 2020 im Rahmen der „Science Based Targets Initiative“ in Übereinstimmung mit dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet. Gleichzeitig treibt unser Einkaufsteam die Bemühungen unseres Unternehmens voran, Energie aus fossilen Brennstoffen durch erneuerbare, CO2-freie Alternativen zu ersetzen. Gemeinsam können wir alle bei Henkel dazu beitragen, unsere Ziele zu verwirklichen. Und ich bin gespannt darauf, was wir noch zusammen mit unseren Partnern erreichen können.

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