Interview

Innovation beginnt mit Mut

Wie Führungskräfte Raum für visionäres Denken schaffen können

New Work 13.01.2026

Innovation beginnt nicht nur mit Ideen – sie erfordert Mut, Risikobereitschaft und eine Kultur, in der jede Stimme zählt. Denn was ist, wenn die besten Ideen unausgesprochen bleiben? Bahnbrechende Lösungen entstehen nur, wenn Menschen sich sicher fühlen, ihre Gedanken zu teilen – ohne Angst vor Bewertung oder Scheitern. Für Begona Jimenez Real, Global Corporate Vice President Laundry & Home Care bei Henkel, und Vincenzo Tomarchio, Corporate Vice President für Research & Development und Global Innovation Design bei Henkel Consumer Brands, ist psychologische Sicherheit der Schlüssel, um Kreativität in ihren Teams freizusetzen. Ein Gespräch über Vertrauen, Herausforderungen, Lernen aus Fehlern und Inklusion – und warum diese Prinzipien heute wichtiger sind denn je.

Wie lässt sich Vertrauen innerhalb eines Teams aufbauen?

Vincenzo: Ich habe die Kraft von Verletzlichkeit während eines Projekts zur Verbesserung eines Waschmittel-Produkts erfahren. Die Pilotversuche liefen reibungslos, doch der groß angelegte Test scheiterte. Das Team blickte zu mir, erwartete eine Erklärung – aber ich hatte keine. Anstatt so zu tun, sagte ich: „Ich brauche eure Unterstützung. Ich kenne die Lösung im Moment noch nicht, aber ich bin überzeugt, dass das nötige Wissen in diesem Raum vorhanden ist”. Diese Ehrlichkeit veränderte alles. Das Team fühlte sich ermutigt, offen Ideen einzubringen, und gemeinsam lösten wir das Problem. Zuzugeben, dass auch ich nicht alle Antworten habe, schuf Vertrauen – und setzte kollektive Intelligenz frei.

Begona: Für mich wurde Verletzlichkeit greifbar, als ich die Rolle der Marketingdirektorin für Deutschland übernahm. Ich sprach kaum Deutsch und leitete ein erfahrenes, ausschließlich männliches Führungsteam. Anfangs versuchte ich meine Schwierigkeiten zu verstecken – doch das funktionierte nicht. Also wurde ich offen: Ich sagte ihnen, dass ich noch lerne und ihre Unterstützung brauche. Diese Ehrlichkeit hat Vertrauen geschaffen. Sie halfen mir beim Erlernen der Sprache, und ich merkte: Auch Führungskräfte brauchen psychologische Sicherheit.

Ein Portraitfoto von Begona Jimenez Real, Global Corporate Vice President Laundry & Home Care bei Henkel

Beziehen sich Uneinigkeiten auf die Arbeit, fördern sie Innovation – richten sie sich jedoch auf Menschen, können sie den Zusammenhalt im Team gefährden.

Warum ist es für Innovation so wichtig, unterschiedliche Meinungen zuzulassen?

Vincenzo: Für mich ist Einwand ein Zeichen von Engagement. Wenn jemand respektvoll eine andere Meinung einbringt, zeigt das, dass ihm das Thema wirklich wichtig ist. Ein Kollege stellte einmal meine Idee zur Neustrukturierung der Forschung & Entwicklung infrage. Statt mich angegriffen zu fühlen, habe ich ihn eingeladen, gemeinsam an einer besseren Lösung zu arbeiten – am Ende entstand ein deutlich stärkeres Modell. Ein gesunder, sachlicher Konflikt ist essenziell – solange er respektvoll geführt wird. Die Art der Kommunikation macht den Unterschied: Einwand sollte sich nie wie Trotz anfühlen, sondern wie echtes Mitdenken.

Begona: Da stimme ich zu. Ich schätze es, wenn andere meine Ideen hinterfragen, weil es zeigt, dass sie sich aktiv einbringen. Entscheidend ist für mich, wie die abweichende Meinung formuliert wird. Wenn sie konstruktiv ist und sich auf die Idee statt auf die Person bezieht, entsteht ein besseres Ergebnis. Beziehen sich Uneinigkeiten auf die Arbeit, fördern sie Innovation – richten sie sich jedoch auf Menschen, können sie den Zusammenhalt im Team gefährden.

Ein Tipp, um psychologische Sicherheit zu fördern?

 

Begona Jimenez Real, 
Global Corporate Vice President Laundry & Home Care bei Henkel  
„Wertschätzung zeigen – besonders für mutige Beiträge. Ein einfaches „Danke“ kann einen riesigen Unterschied machen.”

 

Vincenzo Tomarchio, 
Corporate Vice President für Research & Development und Global Innovation Design bei Henkel Consumer Brands
„Wenn etwas schiefläuft, nicht fragen: „Wer ist schuld?“, sondern: „Was können wir daraus lernen?“ Diese eine Frage kann viel bewirken.”

Was braucht es, um aus Fehlern zu lernen?

Begona: Ich liebe das Akronym FAIL – First Attempt In Learning (Erster Schritt im Lernprozess). In meinem Team feiern wir Misserfolge sogar mit einem Award für die größte Lernchance. So werden Fehler zu etwas Positivem. Alle teilen, was schiefgelaufen ist und welche Erkenntnisse sie daraus gewonnen haben. Das stärkt die psychologische Sicherheit und normalisiert Fehler. Für mich ist Scheitern nicht das Gegenteil von Erfolg, sondern ein Teil des Weges dorthin.

Vincenzo: Wer wirklich innovativ arbeitet, muss damit rechnen, dass Dinge schiefgehen – und das ist auch gut so. Für mich bedeutet intelligentes Scheitern, früh zu scheitern und schnell daraus zu lernen. Einmal habe ich sehr viel Zeit in einen großen Verbrauchertest investiert, der nicht die erwarteten Ergebnisse brachte. Das hat mich gelehrt, auf kleinere, iterative Tests zu setzen, die auf das Lernen statt nur auf die Bestätigung ausgerichtet sind. Das hat meine Art, Innovationsprojekte zu führen, verändert – und Druck vom Team genommen.

Ein Portraitfoto von Vincenzo Tomarchio, Corporate Vice President für Research & Development und Global Innovation Design bei Henkel Consumer Brands

Wer wirklich innovativ arbeitet, muss damit rechnen, dass Dinge schiefgehen – und das ist auch gut so. Für mich bedeutet intelligentes Scheitern, früh zu scheitern und schnell daraus zu lernen.

Wie stellt man sicher, dass jede Stimme gehört wird?

Begona: Ich versuche bewusst darauf zu achten, Menschen öffentlich zu danken, wenn sie sich zu Wort melden – besonders, wenn sie es normalerweise nicht tun. Diese Anerkennung ermutigt andere, sich ebenfalls einzubringen. Wenn jemand unterbrochen wird, greife ich ein und sage: „Lasst sie/ihn ausreden“. So zeige ich, dass jede Stimme zählt. Außerdem nutze ich Einzelgespräche, um Perspektiven zu hören, die in großen Meetings oft unausgesprochen bleiben.

Vincenzo: Früher habe ich meine Meinung in Meetings oft als Erster geteilt, aber ich habe gemerkt, dass das die Diskussion zu sehr beeinflusst. Heute höre ich zuerst zu und erkläre meinen Standpunkt erst am Ende. So entsteht Raum für unterschiedliche Perspektiven. Außerdem frage ich aktiv nach Feedback. Ein wertvolles Zeichen von Vertrauen ist für mich, wenn Personen mir unaufgefordert Feedback geben – das zeigt echte psychologische Sicherheit.

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