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16.04.2020

Wie man als gute Führungskraft ein Team auch aus der Distanz leitet

Remote Leadership – für das Team da sein, ohne wirklich da zu sein

A young businesswoman presenting something to her team in front of a video camera

Ein kurzes "Hallo", wenn man den Kopf ins Büro steckt, ein Gespräch an der Kaffeemaschine, ein informeller Austausch zwischen zwei Meetings – oft sind diese kleinen, persönlichen Begegnungen viel wichtiger, als wir denken. Sie schaffen Vertrauen und fördern Beziehungen. Sie ermöglichen es Kollegen, sich miteinander verbunden zu fühlen. Wie ist es möglich, diese Beziehungen ohne physischen Kontakt zu pflegen? Wie kann man ein Team zusammenhalten, wenn man sich nicht persönlich sieht? Wenn du plötzlich gezwungen bist, mit wenig bis gar keiner Vorbereitung ein Team aus der Ferne zu leiten: Wie kannst du Kontinuität schaffen – sowohl auf beruflicher als auch auf persönlicher Ebene?

Wir haben Führungskräfte nach Tipps und Tricks gefragt, wie man auch aus der Ferne den Teamgeist und die Struktur in seinen Teams fördern kann. Ob du nun vorübergehend ein Team virtuell leitest oder ein Team übernimmst, dessen Mitglieder dauerhaft an verschiedenen Standorten arbeiten: Diese Ratschläge können dir dabei helfen:

Höre deinen Mitarbeitern gut zu

Wie fühlen sie sich jetzt gerade? Was sind ihre größten Herausforderungen? Wie kannst du sie unterstützen? Manche Menschen können mit der Situation sehr gut umgehen, für andere ist es schwieriger. Zeige Verständnis für die persönliche Situation jedes Einzelnen und übe keinen Druck auf deine Mitarbeiter aus, wenn sie Schwierigkeiten haben, all ihre Aufgaben zu erledigen. Dies ist eine Ausnahmesituation für alle.

David DiBernardino, Senior Vice President, Sales Beauty Care, North America

Es ist jetzt wichtiger denn je, sich mit Kollegen auszutauschen – nicht nur mit den eigenen Mitarbeitern und direkten Vorgesetzten. Fragen stellen und zuhören, Ängste und Sorgen anerkennen. Seinen Mitarbeitern dabei helfen, Prioritäten zu setzen und die eigene Gesundheit und die ihrer Familien an erste Stelle zu setzen.


Gib deinem Team Struktur und Orientierung

Wenn man von zu Hause arbeitet, ist es wichtig, sich eine Routine aufzubauen. Hilf deinen Mitarbeitern dabei, eine solche Struktur zu schaffen, zum Beispiel durch tägliche Video-Check-Ins mit dem Team, um zu besprechen, was bei jedem ansteht, oder durch regelmäßige Einzeltelefonate. Eine Empfehlung, welches digitale Tool für welche Aktivität oder welcher Kanal für welche Art von Kommunikation verwendet werden soll, kann die Effizienz steigern. Kommuniziere klar, was die kurzfristigen Prioritäten (für den Tag und die Woche) und die langfristigen Prioritäten (für den Monat und das Quartal) sind, und stelle sicher, dass alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Thomas Holenia, Head of Purchasing Asia-Pacific & President Henkel Singapore

Wenn dein Team an verschiedenen Standorten tätig ist, ist es essenziell, absolute Klarheit über die Aufgaben und das erwartete Ergebnis zu haben, um nicht aufgrund von Doppelarbeit oder unterschiedlicher Interpretationen von Aufgaben und Zielen die gemeinsame Stoßrichtung aus den Augen zu verlieren. Auch Schreibfähigkeiten werden wichtiger: E-Mails müssen Anfragen klar formulieren, auf Fragen eingehen und auf den Punkt kommen – und das alles, ohne die Zeit des Lesers oder Schreibers unnötig zu strapazieren.


Tausche dich mit deinen Mitarbeitern auf einer persönlichen Ebene aus

Besonders unter unsicheren Umständen ist es wichtig für den Teamgeist, alle zu fragen, wie es ihnen geht und wie sie die aktuelle Situation erleben. Vielleicht kannst du auch häufiger Videotelefonie nutzen, um physische Distanz zu überwinden und auf einer persönlicheren Ebene mit deinem Team in Kontakt zu treten.

Katrin Sulzmann, Head of Corporate Communications Europe, India, Middle East & Africa

Gerade in dieser Ausnahmesituation ist es wichtig, einen noch regelmäßigeren Austausch als sonst mit deinen Mitarbeitern zu pflegen und sich über ihre persönliche Situation zu erkundigen. Der Austausch sollte so persönlich wie möglich sein, zum Beispiel, indem du selbst einen Einblick in dein Homeoffice gibst, dein Kind in die Kamera winken lässt oder dein Haustier zeigst. Dies fördert den Zusammenhalt und erhöht die Motivation – wenn es von Herzen kommt – da der direkte Vorgesetzte für den Mitarbeiter die „Lebensader“ des Unternehmens darstellt.


Behalte den Überblick, woran deine Mitarbeiter arbeiten

Dies bedeutet aber nicht „Micromanagement“. Einige Teammitglieder könnten Schwierigkeiten haben, ihre Zeit effektiv zu nutzen, während andere Gefahr laufen, sich zu überarbeiten, weil es ihnen schwerfällt, abzuschalten. Respektiere dies und ermutige deine Mitarbeiter dazu, eine Balance zu finden, indem du dich regelmäßig und aktiv bei ihnen meldest. Überlege, wie sich die einzelnen Teammitglieder gegenseitig unterstützen oder was Mitarbeiter tun können, wenn sie gerade nicht an ihren üblichen Aufgaben arbeiten können. Zum Beispiel könnten sie die Zeit nutzen, um sich weiterzubilden.

Leiterin Global Learning

Die Arbeit im Homeoffice hat uns motiviert, neue digitale Ressourcen auszuprobieren, die wir vorher vielleicht nicht genutzt hätten – aber jetzt nicht mehr missen wollen. Mit den vielen E-Learnings, die auf unserer zentralen Lernplattform angeboten werden, können wir unsere eigene digitale Lernreise antreten und gemeinsam die digitale Transformation bei Henkel vorantreiben.


Erwarte nicht, dass dein Team rund um die Uhr verfügbar ist und erlaube Flexibilität

Von zu Hause zu arbeiten bedeutet nicht, dass deine Mitarbeiter immer „bei der Arbeit" sind. Kaffee- oder Mittagspausen einzulegen und nach einem Arbeitstag abzuschalten, ist im Homeoffice genauso wichtig wie im Büro. Die Arbeitszeiten deiner Mitarbeiter können aus verschiedenen Gründen variieren. Beispielsweise müssen Eltern sich tagsüber um ihre Kinder kümmern und arbeiten daher vielleicht eher am Abend als während der regulären Geschäftszeiten. Achte darauf, dass deine Mitarbeiter ihre Verfügbarkeit klar kommunizieren. Gleiches gilt natürlich auch für dich.

Marianela Garcia,  Head of Shared Services Center Mexico

Das eigene Zuhause ist nicht immer eine kontrollierte Umgebung. Deshalb sollten Führungskräfte die Zeit ihrer Mitarbeiter und auch ihre eigene Zeit respektieren und zusätzliche Flexibilität für unerwartete Situationen erlauben sowie Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich an neue Situationen anzupassen.


Stelle sicher, dass es eine Überschneidung von ein paar Stunden gibt, in denen das gesamte Team arbeitet

Dies ist besonders schwierig, wenn deine Teammitglieder in verschiedenen Zeitzonen arbeiten, aber es gibt allen eine gewisse Struktur und Sicherheit, da sie wissen, dass ihre Kollegen für eine schnelle Abstimmung zur Verfügung stehen.

Amira Kamel, Head of Sales and Channel Excellence, Adhesive Technologies, United Arab Emirates

Wenn man über Zeitzonen hinweg arbeitet, ist es schwierig, einen normalen Arbeitstag für alle aufrechtzuerhalten. Daher ist es wichtig, jedem die Möglichkeit zu geben, die Grenzen einer für ihn akzeptablen Ausdehnung der Arbeitszeit festzulegen – unabhängig davon, ob es sich um einen früheren Beginn oder ein späteres Ende handelt. Während Flexibilität erforderlich ist, um das Team zusammenzubringen, vermeiden klare Grenzen Konflikte und Frustration.


Setz dich nicht zu sehr unter Druck

Es wird Tage geben, an denen du dich einfach nicht gut fühlst, an denen du dich um deine Familie kümmern musst oder an denen sich die ganze Situation überwältigend anfühlt. Das ist in Ordnung und zeigt deinem Team, dass du auch nur ein Mensch bist und dass es völlig normal ist, manchmal kämpfen zu müssen.


Schaffe eine Kultur des Vertrauens

Dies ist ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit – unabhängig davon, ob du ein Büro mit deinem Team teilst oder nicht. Wenn du ein Team aus der Ferne leitest, kommuniziere noch mehr und zeige, dass du da bist: Wenn deine Mitarbeiter dich um Feedback bitten, teile ihnen mit, dass du ihre Anfrage erhalten hast, und sag ihnen, wann sie mit deiner Antwort rechnen können. Das schafft Berechenbarkeit und Sicherheit und sorgt dafür, dass sich alle gehört fühlen.

Eine klare Struktur, gute und regelmäßige Kommunikation sowie gegenseitiges Verständnis für die verschiedenen Situationen, mit denen die Teammitglieder konfrontiert sind, sind die Grundlagen für die erfolgreiche Leitung von Remote-Teams. Wenn möglich, organisiere ein bis zwei Mal pro Jahr ein persönliches Treffen. Bringe das gesamte Team zusammen, um gemeinsam über Meilensteine, Erfolge und nächste Schritte zu sprechen – und was noch wichtiger ist – gib deinem Team so die Möglichkeit, sich persönlich kennenzulernen. Keine virtuelle Kommunikation kann jemals den persönlichen Kontakt ersetzen.

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