Viewpoint

Mal kurz innehalten: Wie wir Freiraum für Kreativität schaffen

Ein Beitrag von Jens Bode, Trend Explorer & Innovation Game Changer für den Unternehmensbereich Laundry & Home Care bei Henkel

Kultur Kultur 18.04.2019
Innovatives Brainstorming Meeting mit Jens Bode

 

Henkel ist innovativ – und das ist gut, denn Innovation ist ein zentraler Teil unserer Unternehmensstrategie. Doch die Art und Weise, wie wir Innovationen entwickeln, hat sich geändert. Die Welt rotiert gefühlt immer schneller und es kommen völlig neue Wettbewerber, Handelsmarken oder junge Start-ups mit kreativen Ideen ins Spiel. Das stellt uns vor neue Herausforderungen, die wir aber als Chance sehen, das Thema Innovation ganz neu anzugehen. Ein Beispiel für eine neue Herangehensweise ist die Methode „Kill a stupid rule“ – dabei geht es darum, Bewährtes zu hinterfragen und neue Freiräume für Kreativität zu schaffen.

Innovation braucht Zeit. Zeit und eine gewisse Muße, neue Einblicke von Kunden und Märkten oder aktuelle Trends zu suchen, mental zu verknüpfen und neue Ideen und Konzepte daraus zu entwickeln. Aber nehmen wir uns diese Zeit auch? An einem Tag voller Meetings, E-Mails und spontaner Adhoc-Anfragen von Kollegen oder Kunden kommt dies leider oft zu kurz. Das Stichwort heißt Agilität. Es ist das aktuelle Buzzword der Wirtschaft – aber auch für unsere Organisation ist Agilität eine wichtige Voraussetzung, um zukünftig schneller Innovationen zu entwickeln.

Jens Bode, Trend Explorer & Innovation Game Changer Laundry & Home Care

Jens Bode, Trend Explorer & Innovation Game Changer für den Unternehmens­bereich Laundry & Home Care

Kreativitätsmethode „Kill a stupid rule“

Das ist kein Aufruf zur Revolution. Es ist vielmehr eine provokante Kreativitätsmethode, um unsere täglichen Abläufe zu hinterfragen. Gleichzeitig stellt sie eine fantastische Investition in die Zukunft dar. Die Methode „Kill a stupid rule“ funktioniert alleine, aber am besten führt man sie in einem kleinen, möglichst diversen Team durch und bestenfalls holt man sich Unterstützung von einem neutralen Moderator.  Für eine erste Übung werden circa zwei Stunden benötigt. Im Team geht man exemplarisch eine typische Arbeitswoche oder einen typischen Produktentwicklungsprozess durch und hinterfragt konsequent alles, was dazu gehört: Prozesse, Meetings, Abstimmungen – eben alles, was tagtäglich im Team anfällt.

„‚Kill a stupid rule‘ ist eine provokante Kreativitätsmethode, um unsere täglichen Abläufe zu hinterfragen.“

Von welchen überholten Standards, Regeln und Verfahren und von welchem „administrativen Unsinn“ sollten wir uns schnellstmöglich lösen? Was wird so gemacht, weil es immer schon so gemacht wurde? Was sind ungeschriebene Gesetze? Was sind die internen Denkbarrieren und Paradigmen? Wo bremsen unsere eigenen Prozesse uns aus?

Bei der Kreativitätstechnik „Kill a stupid rule“ ist es wichtig, dass sich die Teilnehmer wohl fühlen

Bei der Kreativitätstechnik „Kill a stupid rule“ ist es wichtig, dass sich die Teilnehmer wohl fühlen und ihre Meinungen und Ideen offen teilen. Dabei kann es hilfreich sein, sich an einem eher unkonventionellen Ort zu treffen anstatt in einem klassischen Meetingraum.

Als Basis für ein Brainstorming werden im nächsten Schritt lösungsorientierte Wie-Fragen gestellt, die als „mentales Sprungbrett“ dienen: Wie können wir Meetings effektiver gestalten? Wie können interne Prozesse und Abläufe bei gleichbleibender Qualität radikal vereinfacht werden? Wie können Lernkurven, erfolgreiche Umsetzungen aber auch vermeintliche Flops weiter geteilt werden?

Bei „Kill a stupid rule“ geht es nicht um Schuldzuweisungen oder um vermeintliche Fehler Anderer. Die Voraussetzung für diese Übung ist natürlich eine offene Kommunikationskultur und das Feingefühl, Dinge wertschätzend, aber dennoch kritisch zu äußern. Am Ende dieser Übung wird das Team nicht nur das Gefühl haben, aktiv (mit-)gestalten zu können, sondern es werden sich wunderbare neue Freiräume eröffnen. Freiräume, die genutzt werden können, um konsumenten- und zukunftsorientiert zu innovieren.

Netzwerke nutzen

Neben dem Schaffen von Freiräumen in der eigenen Arbeit sind Netzwerke unheimlich wichtig für das Entstehen von Innovationen. Sei es innerhalb des Unternehmens oder durch Kontakte mit Agenturen, anderen Unternehmen oder Start-ups. Wo gibt es faszinierende Ansätze, die auch für das eigene Unternehmen interessant sein könnten? Wer arbeitet an ähnlichen Themen und kann mir bei meiner Problemstellung neue Perspektiven aufzeigen? Wen lerne ich heute „zufällig“ kennen, welche Rolle hat diese Person und wie kann sie mich in meinem Innovationsprozess weiterbringen?  

„Seid neugierig und offen für jede Art der Inspiration, ob von Kunden, Partnern, kreativen ‚Crowds‘, oder durch Impulse und Trends aus parallelen Märkten.“

Eine der besten Möglichkeiten, die Kreativität zu steigern, ist die Vernetzung mit anderen

Eine der besten Möglichkeiten, die Kreativität zu steigern, ist die Vernetzung mit anderen innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

Innovatoren sind undankbar. Undankbar nicht im Sinne von Meckern ‒ Meckern ist immer einfach ‒ sondern undankbar in dem Sinne, das Bisherige immer wieder infrage zu stellen. Also stellt konstruktiv alles in Frage. Streicht mutig und radikal Dinge, die gemacht werden, weil sie immer schon so gemacht wurden, aber vielleicht heute gar keinen Sinn mehr machen, überholt sind oder weil es heute effektivere Lösungen gibt. Seid neugierig und offen für jede Art der Inspiration, ob von Kunden, Partnern, kreativen „Crowds“, oder durch Impulse und Trends aus parallelen Märkten.