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08.03.2019

Erfolgreich, engagiert, ehrlich: In der Porträt-Serie #StarkeFrauen erzählen Henkel-Mitarbeiterinnen ihre Geschichte

Vorlaufen statt Wegrennen

Starke Frauen: Rapeephan Chiraphichet und Claudia Wittfoth (l.)


Zwei Frauen, zwei Geschichten, eine Leidenschaft. Rapeephan Chiraphichet und Claudia Wittfoth kennen sich nicht. Die eine arbeitet für Henkel im Supply Chain Management in Bangkok, die andere unterstützt in Düsseldorf die Unternehmenskommunikation. Was sie verbindet, ist ihre Liebe zum Laufen. Eine Liebe, die ihnen in schweren Zeit Halt gab. Das Laufen macht sie stärker, sagen beide. Für unsere Serie „Starke Frauen“ erzählen sie ihre Geschichte.

Rapeephans Geschichte: Gib alles, nur nicht auf

Wenn Rapeephan an die Anfänge ihrer Laufkarriere denkt, tauchen unweigerlich die Bilder des 26. Dezember 2004 auf. An die Geschehnisse dieses Tages erinnert sich noch heute die ganze Welt: Durch ein Erdbeben im Indischen Ozean entsteht ein Tsunami und trifft die Küsten Südostasiens und Indiens. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die gebürtige Thailänderin, die heute als Teamleiterin für den intra-regionalen Import von Handelswaren in der Region Südostasien arbeitet, mit Freunden auf dem Weg von Trang nach Krabi. Durch einen glücklichen Zufall entschied die Gruppe sich dazu, einen geplanten Höhlenausflug abzusagen – ein Zufall, der – wie sich später herausstellen sollte – den Freunden vermutlich das Leben rettete. Denn die Ausmaße des Tsunamis waren zu diesem Zeitpunkt noch niemandem bewusst. „Wir warteten die ganze Nacht auf Neuigkeiten und waren alle angespannt. Als dann plötzlich jemand rief, dass eine zweite Welle auf Phuket zusteuere, sprangen alle auf und liefen auf einen nahegelegenen Berg,“ erinnert sich Rapeephan.

„Obwohl ich die Kleinste in der ganzen Gruppe war, erreichte ich über­raschender­weise als Erste den Gipfel des Berges. So habe ich heraus­gefunden, dass ich schnell laufen kann“.

Dass sie jedoch einmal an einem Ultra-Marathon teilnehmen würde – unvorstellbar. Schon immer hatte für Rapeephan die Arbeit an erster Stelle gestanden. Fitness war für sie kein Thema. Zu Schulzeiten sei sie überzeugt gewesen, dass ihr das Talent für Sport fehle, sagt sie. Doch die Erinnerungen an ihre Leistung aus jener Nacht im Jahr 2004 blieben – und veränderten etwas: 2015 schnappte Rapeephan sich ihre Laufschuhe und trat zu ihrem ersten Rennen an. „Als ich ins Ziel kam, dachte ich, dass ich nie wieder laufen würde“, erinnert sie sich. „Ich war erschöpft und habe für 6 Kilometer fast eine Stunde gebraucht. Doch dann packte mich der Ehrgeiz – ich wollte besser werden – und seit dem Tag habe ich mich auf das Laufen konzentriert.“

 

Heute nimmt Rapeephan an Marathons, Ultra-Marathons sowie Trail-Läufen teil und belegt regelmäßig Platzierungen auf dem Siegertreppchen. Dafür trainiert sie vier bis fünf Mal in der Woche. Doch der schicksalhafte Tag hat nicht nur ihre Liebe zum Laufen geweckt. Auch persönlich hat Rapeephan sich weiterentwickelt: „Ich lebe bewusster im Hier und Jetzt. Ich weiß, dass immer etwas passieren kann und achte daher besser auf meine Mitmenschen. Ich trainiere, damit ich länger lebe und mich auch länger um meine Familie kümmern kann.“

Dank ihrer Motivation wächst Rapeephan immer wieder über sich hinaus – trotz Höhenangst probiert sie Bungee-Jumping aus, sie geht Tauchen, obwohl sie nicht schwimmen kann. Ihre Strategie ist einfach: „Ich habe vor so vielen Dingen Angst, aber irgendwie schaffe ich es doch immer. Ich kann nur allen raten, sich nicht zu unterschätzen. Jeder hat das Potenzial, man muss sich nur trauen.

  

Ihr nächstes Ziel? Nachdem sie bei ihrem letzten Rennen – dem Kyoto-Marathon – eine neue persönliche Bestzeit von 4 Stunden und 9 Minuten aufstellen konnte, sucht sie nun eine neue Herausforderung: Rapeephan möchte einen 100 Kilometer Trail-Lauf absolvieren.

DREI FRAGEN AN RAPEEPHAN

Welcher Wert steht bei dir an oberster Stelle?

Meine Familie und meine Gesundheit. Wenn du die richtigen Leute um dich hast und auch auf deine körperliche Gesundheit achtest, gibt dir das positive Energie für alles, was du dir vornimmst.

Was ist der beste Rat, den du je erhalten hast?

Man sollte alle Menschen so behandeln, wie man auch selbst gerne behandelt wird.

Wenn du dein 11-jähriges Selbst treffen könntest, welchen Rat würdest du ihm geben?

In der Schule wurde ich häufig dafür gemobbt, dass ich zu klein oder zu dick sei. Der 11-jährigen Rapeephan würde ich also gerne erzählen, dass sie nicht auf negatives Gerede hören soll, denn sie ist gut so, wie sie ist.

 

Claudias Geschichte: Hingeben statt aufgeben

Für Claudia Wittfoth bedeutet Glück, mit leichtem Gepäck zu reisen. Am liebsten nur mit einem kleinen Rucksack. Denn ob Griechenland, Lanzarote oder Ibiza: Ihre Liebe zum Reisen verbindet sie am liebsten mit ihrer zweiten Passion, dem Laufen. Wie bei Rapeephan war es auch bei Claudia eine Liebe auf den zweiten Blick. An sportlichen Herausforderungen hatte es ihr zwar nie gefehlt: Vor ihrem Job bei Henkel war sie einige Jahre als Stuntfrau beim Fernsehen tätig. „Aber wie kann man freiwillig 14 Kilometer um einen See laufen? Das ist doch total verrückt!“ Mit diesen Worten lachte sie mit Anfang 20 ihre beste Freundin aus. „Ich habe immer viel Sport gemacht, war neugierig und habe vieles ausprobiert, aber Laufen interessierte mich nicht. Zumindest, bis ich 30 wurde.“ Während für ihre Altersgenossen ‚Heirat‘, ‚Hausbau‘ und ‚Familiengründung‘ ganz oben auf der Prioritätenliste standen, füllte Claudia ihre Bucket List mit neuen Abenteuern. Eines davon: einmal im Leben einen Marathon absolvieren. Der 30. Geburtstag kam, Claudia stellte sich der Herausforderung und bewältigte die 42,19 Kilometer bis zum Ziel.

Seit diesem Tag lief sie öfter, der richtige Funke sprang aber erst einige Jahre später über – und ging, ähnlich wie bei Rapeephan, von einem Schicksalsschlag aus. Im Sommerurlaub 2009 verspürte Claudia, die zu diesem Zeitpunkt Arztpraxen nur von Routineuntersuchungen kannte, ein Taubheitsgefühl in ihrer linken Gesichtshälfte. An etwas Ernstes dachte sie dabei nicht, suchte aber dennoch vorsichtshalber nach ihrem Urlaub einen Arzt auf. Nach drei Tagen hatte sie die traurige Gewissheit: Sie war an Multipler Sklerose (MS) erkrankt.

 

„Natürlich war ich erstmal geschockt, denn ich hatte dieses typische Bild im Kopf: MS, das bedeutet Rollstuhl. Aber ans Aufgeben habe ich nicht gedacht.“

Zwei Wochen später saß Claudia schon wieder im Büro. Anfangs fiel es ihr schwer, ihre Diagnose zu akzeptieren. Doch sie ging offen mit der Krankheit um, sprach auch mit ihren Kollegen sowie den Sozialen Diensten bei Henkel darüber und verstand irgendwann, dass die Krankheit nun ein Teil von ihr ist. Und dieser soll sie von nichts abhalten.

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Claudia Wittfoth erzählt, wie ihr das Laufen bei der Bewältigung ihrer Multiplen Sklerose hilft

0:55 Min.

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Wie der Zufall es manchmal so will, gewann Claudia 2014 einen Startplatz beim Marathon ihrer Heimatstadt Essen. Und trotz, oder gerade wegen der MS, fing sie wieder mit dem Laufen über längere Distanzen an. „Jetzt erst recht“, dachte sie sich. Was folgte, ist selbst für gesunde Menschen eine fast unglaubliche Entwicklung. „Ich habe während des Marathons eine Gruppe Läufer kennengelernt, die mir von ihren 200-Kilometer-Non-Stop Ultra-Läufen erzählten. Die Idee faszinierte mich. Und ich wollte genau das auch unbedingt ausprobieren.“ Von dem Tag an stürzte sie sich ins Trainingsprogramm: Erst 50 Kilometer, dann immer weitere Distanzen bis hin zu dem emotionalsten Lauf ihrer bisherigen Karriere – dem 100 Kilometer Lauf der TorTour de Ruhr im vergangenen Jahr. Doch Claudia ist vernünftig: Sie lässt sich regelmäßig von einem Sportmediziner, einem Kardiologen und einer Neurologin durchchecken. Letztere ist ihr größter Fan: „Sie findet es toll, was ich mache und sie glaubt, dass meine Persönlichkeit einen Beitrag zu meinem Wohlbefinden leistet. Ich will nicht sagen, dass alle MSler laufen müssen, damit es ihnen so gut geht wie mir – das stimmt nicht. Aber ich lebe aktuell nur mit wenigen Symptomen, und die habe ich akzeptiert und in meinen Alltag integriert.“

Zwar macht es ihr auch noch heute Angst, keine genaue Prognose zu haben, doch diese Angst ist gleichzeitig ihre größte Motivation. Sie hilft ihr, auch bei Schnee und Regen ihren inneren Schweinehund zu überwinden und weiter zu trainieren. Ihr Wunsch für die Zukunft? Dass ihr die Krankheit genügend Zeit lässt. Zeit für die Familie, fürs Reisen und natürlich fürs Laufen. 

 

„Manchmal werde ich gefragt, ob ich ‚weglaufe‘ – ich würde lügen, wenn ich das komplett abstreiten würde. Ich bezeichne es aber eher als ‚vorlaufen‘.“

Claudia weiß, dass vielleicht irgendwann der Moment kommen wird, an dem ihr Körper nicht mehr genügend Kraft haben wird – vielleicht nimmt ihr die MS irgendwann sogar die Mobilität. Doch Claudia gibt nicht auf: „Deshalb laufe ich jetzt – und muss ich mir später nicht vorwerfen, dass ich es nicht getan habe, als ich noch konnte.“

DREI FRAGEN AN CLAUDIA

Wer oder was inspiriert dich?

Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld sind es für mich immer die Menschen, die für ihre Sache brennen, Visionen haben, mit Leidenschaft und Mut ihr Ziel verfolgen. Menschen, die keine Angst haben, dafür auch Umwege einzuschlagen.

Welcher Wert steht bei dir an oberster Stelle?

Zuhören und Respekt für dein Gegenüber. Schenke deinem Gegenüber immer deine volle Aufmerksamkeit.

Was bedeutet “Frau sein” für dich?

Ich bin mir sehr bewusst, dass es ein großes Privileg ist, in der heutigen Zeit und in meiner Kultur eine Frau zu sein. Mit allen Freiheiten und Möglichkeiten, die leider nicht überall in der Welt selbstverständlich sind.

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