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18.09.2020

Ein Interview mit Victoria Blocksdorf, Organisatorin von Cleanup-Aktionen am Rhein

„Jeder kann einen Beitrag leisten“

Victoria Blocksdorf organisiert regelmäßig Cleanup-Aktionen, um den Rhein in Düsseldorf sauber zu halten.

   

Die Verschmutzung unserer Umwelt, Flüsse und Meere berührt viele von uns, scheint aber viel zu oft ein weit entferntes Problem zu sein. Dabei kann jeder einen kleinen Beitrag leisten – am besten man startet vor der eigenen Tür.

Düsseldorf und der Rhein: das gehört zusammen. Der 1.233 Kilometer lange Strom verleiht unserer Stadt das gewisse Lebensgefühl, welches insbesondere in den Sommermonaten zahlreiche Menschen an die Ufer lockt. „Chillen, grillen, Kästchen …“ – wir alle wissen wie der Satz endet und haben schon oft erlebt, wie sich dieses Sprichwort in tonnenweisen Müll und Unrat entlang der Rheinufer manifestiert.

Eine stellt sich dem entgegen: Victoria Blocksdorf organisiert seit über zwei Jahren ehrenamtlich Rhein-Cleanups und trägt dazu bei, dass unsere Stadt sauberer wird. Im Interview erzählt sie, was sie dazu bewegt hat und wie jeder von uns ganz einfach einen Beitrag leisten kann.

Victoria, du beschäftigst dich inzwischen Vollzeit mit Rhein-Cleanups. Was hat dich dazu bewegt?

Vor einigen Jahren war ich mit meinem Mann auf einer Weltreise. Wir besuchten die schönsten Orte dieser Erde – einer davon war Hawaii. Wir haben Delfine gesehen, Wale, alles was die Natur nur so zu bieten hat. An einem verlassenen Strand kam es dann zu dem einschneidenden Erlebnis: wir fanden dort ein riesiges Knäuel aus Geisternetzen und allerlei Unrat. Als wir versuchten, es vom Strand wegzubewegen, damit es im offenen Meer nicht zur Falle für Tiere würde, konnten wir es aufgrund der Größe jedoch nicht bewegen und sahen, wie machtlos wir dagegen waren – machtlos gegen die Verschmutzung unserer Ozeane. Zurück in Düsseldorf nahm ich mir vor, etwas dagegen zu tun – auch wenn unsere Stadt nicht am Meer liegt, sind wir durch den Rhein direkt mit dem Meer verbunden und können auch hier vor Ort einen Beitrag leisten. Ich schnappte mir Handschuhe, Greifzange und einen Müllsack und sammelte das erste Mal Müll in meiner eigenen Stadt.

… und wir nehmen an, da bist du fündig geworden?

Und wie! Ein Blick genügt schon, um zu sehen, wie viel Müll entlang des Rheinufers oder in unseren Wäldern liegt. Von Liegestühlen, Autoreifen bis hin zu Einweggrillsets und benutzten Windeln – wir haben wirklich ALLES gesehen. Da konnte eine kleine Aktion mit meinem Mann nur wenig bewirken. Wir haben daher Freunde und Familie motiviert, sich anzuschließen und haben auch über soziale Medien dazu aufgerufen mitzumachen. So entstand im Juli 2018 unser erstes gemeinsames Cleanup am Rhein.

Victoria Blocksdorf beim Müllsammeln am Rhein in Düsseldorf.

Bei einer Sammelaktion am Rhein können je nach Jahreszeit bis zu 500 kg Müll zusammengekommen.

Wie genau kann man sich denn eine Cleanup Aktion mit dir vorstellen?

Unsere gemeinsamen Aktionen werden über Facebook und Instagram angekündigt. Wer Lust hat, sich anzuschließen, kommt zu dem vereinbarten Treffpunkt. Dort wird jeder Teilnehmer mit Müllgreifern, Schutzhandschuhen und Abfallsäcken ausgestattet. Im Anschluss gibt es dann noch ein paar Sicherheitshinweise – das lag mir auch schon vor Covid-19 am Herzen, damit sich alle Sammler gut vorbereitet und sicher fühlen.

Damit beginnt dann auch schon die eigentliche Arbeit. Jeder packt mit an, und zwar genau so viel, wie er oder sie gerade kann – und das bei Wind und Wetter. Nach zwei Stunden kommen wir wieder zusammen und machen uns mit einem Getränk in der Hand ein Bild der “Ausbeute“. Für unsere fleißigen Helfer gibt es dann meistens noch ein Dankeschön in Form eines Gutscheins oder nachhaltigen Produkten wie beispielsweise Bienenwachstüchern oder Glasstrohhalmen – bereitgestellt von einem unserer Sponsoren.  

Wie viel Müll kommt da so zusammen?

Das ist unterschiedlich, denn das hängt von der Jahreszeit, der Sammelstelle und dem Rheinpegel ab. In der Regel sammeln wir zwischen 200 und 500 kg Müll – nach Silvester waren es allein 340 kg nur mit den Abfällen der Feuerwerksköper!
Unser schwerster Fund bisher war ein Motorrad, welches bis zur Hälfte kopfüber im Boden feststeckte, so dass wir es nur mit geballter Kraft bergen konnten. Wir haben alle an einem Strang gezogen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes! Das zeigt einmal mehr, was man gemeinsam alles erreichen kann.

Was genau passiert dann mit dem gesammelten Müll?

Wir versuchen, alles, was wir finden, sinnvoll weiterzuverwenden. So wird gesammeltes Pfand zu einer Rücknahmestelle gebracht oder Glas in einem Altglas-Container entsorgt. Wir arbeiten aber auch mit Tobacycle zusammen, einem Sammelsystem für Zigarettenkippen, aus denen neues Kunststoffgranulat hergestellt wird, welches wiederum genutzt wird, um Taschenaschenbecher herzustellen. Der übrigbleibende Restmüll wird dann von der Awista entsorgt.

Die Müllsäcke stammen aus einer Rösterei und bestehen aus nachhaltigen Stoffen.

Alles was gefunden wird, wird sinnvoll weiterverwendet oder entsorgt. Auch die Müllsäcke stammen aus einer Rösterei und bestehen aus nachhaltigen Stoffen.

Welchen Beitrag kann hier jeder Einzelne leisten?

Ich denke, dass die Erfahrung als Sammler maßgeblich dazu beiträgt, sein eigenes Verhalten zu verändern. Die Erkenntnis, dass das Problem vor unsere Haustür liegt, zeigt, dass JEDER etwas tun kann und muss – nicht nur bei Cleanups, sondern auch im Alltag. Wir alle müssen ein stärkeres Bewusstsein für nachhaltige Alternativen entwickeln, die keine Gefahr für unsere Umwelt darstellen. In dem Sinne sollten wir unseren „Coffee to Go“ besser in einem wiederverwendbaren Becher trinken, um somit auf Einwegplastik zu verzichten.

Was genau ist denn deine Zukunftsvision für Verpackungen und unseren Umgang mit Plastik?

Ich persönlich würde mir wünschen, dass zunächst einmal weniger Plastik produziert und somit auch verbraucht wird – das gilt besonders in den Bereichen, wo man alternative Materialien verwenden kann. Dort, wo der Einsatz von Plastik sinnvoll ist, sollte dieses aus recyceltem Kunststoff und recyclingfähig sein und zudem entsprechend entsorgt werden. Wir müssen dafür unsere Infrastrukturen verbessern, die den Zugang zu recyceltem Plastik erleichtern – nur so können wir den Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft ebnen.

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