Unser Beitrag zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft
Die Ölpalme weist im Vergleich zu anderen Ölpflanzen die höchsten Erträge pro Hektar Anbaufläche auf und steht daher an erster Stelle unter den weltweit angebauten, ölproduzierenden Pflanzen. Im asiatischen und afrikanischen Raum wird Palmöl zum Kochen, Braten und Fritieren eingesetzt – genauso wie beispielsweise Rapsöl in Europa und Sojaöl in den USA. So werden 70 Prozent der jährlichen Ernte direkt in Asien verbraucht. Der energetische Einsatz von Palmöl (z.B. als Biodiesel) beträgt momentan ca. 5 Prozent.
Neben dem Palmöl wird aus der Ölpalme noch ein zweites Öl produziert: das Palmkernöl. Während das Palmöl aus dem Fruchtfleisch gewonnen wird, erhält man das Palmkernöl aus den Kernen, wie es der Name beschreibt. Die Öle unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrer Anwendung deutlich: Palmöl ist vor allem für die Nahrungsmittelindustrie ein wichtiger Rohstoff und macht ca. 90 Prozent der gesamten Ölmenge aus. Palmkernöl – die restlichen 10 Prozent – findet aufgrund der chemischen Struktur in diesem Bereich nur sehr begrenzt Anwendung.
Palmkernöl ist vor allem ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung von Tensiden, die waschaktiven Substanzen in Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetikprodukten, und ist daher für Henkel von Interesse. Die in Mitteleuropa heimischen Pflanzen eignen sich derzeit nicht zur großtechnischen Produktion von leistungsstarken Tensiden. Deshalb sind momentan Mineralöl, Erdgas und Kokosöl die einzigen Alternativen zum Palmkernöl.
Insgesamt nutzt Henkel indirekt über seine Tensid- oder andere Rohstofflieferanten weniger als 0,2 Prozent der weltweit produzierten Öle aus der Palme – und hier vor allem das Palmkernöl als Basis für Tenside.
- Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO/Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl): Seit 2003 engagiert sich Henkel beim RSPO und ist seit 2008 offizielles Mitglied. Der RSPO ist aktuell die einzige kriteriensetzende Institution für nachhaltiges Palm- und Palmkernöl. Auch wenn die Kriterien aus unserer Sicht noch unzureichend sind, ist der RSPO auf dem richtigen Weg. Würden wir und die anderen im RSPO vertretenen Gruppen diesen Weg beenden, besteht keine Chance auf eine Besserung der Situation. Ausführliche Informationen zum RSPO weiter unten.
- Palm Oil Coalition: Um das Konzept einer nachhaltigen Produktion von Palmöl und Palmkernöl noch wirksamer voranzutreiben, trat Henkel im Oktober 2009 der "Palm Oil Coalition" bei. In ihr sind neben weltweit tätigen Unternehmen aus der Konsumgüter- und Lebensmittelindustrie auch Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Oxfam, der WWF und andere vertreten. Gemeinsames Ziel ist es, den Schutz der Regenwälder durchzusetzen, indem die Beschaffung von Palmöl bis zu einem festgelegten Datum vollständig zu nachhaltig bewirtschafteten Quellen verlagert wird.
- Rohstoff-Lieferanten: Henkel steht mit seinen Rohstoff-Lieferanten im Dialog, damit sie ihre Produktion auf nachhaltiges Palm(kern)öl umstellen. Denn da wir die Tenside nicht selbst herstellen, sondern diese von unseren Rohstoff-Lieferanten beziehen, steht Henkel am Ende einer langen Lieferkette.
- Forum für Nachhaltiges Palmöl: Zusammen mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), Industriepartnern und dem WWF initiierte Henkel in 2011 das "Forum für Nachhaltiges Palmöl". Ziel ist es, die Nutzung von nachhaltig erzeugtem Palm- und Palmkernöl zu fördern. Als Grundlage dienen hierbei die vom RSPO definierten Standards, die durch das Forum weiterentwickelt und ergänzt werden sollen.
Unser Anspruch und unsere Ziele
Unser Anspruch ist es, entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig und gesellschaftlich verantwortlich zu wirtschaften. Aus diesem Grund nehmen wir die Probleme sehr ernst, die durch den extensiven Anbau von Palmölplantagen entstehen können, und setzen uns mit einer Reihe verschiedener Interessenspartner für eine nachhaltige und damit ökologisch und sozial verantwortliche Gewinnung von Palm- und Palmkernöl ein. Übergeordnetes Ziel ist es, dass – wann immer Palmöl bzw. Palmkernöl als Basis für Inhaltsstoffe eingesetzt wird – dieses Öl einer nachhaltigen Palmölwirtschaft entstammt. Bereits im Jahr 2009 hat sich Henkel verpflichtet, sein unternehmensweites Produktsortiment durch Zertifikate für nachhaltiges Palmkernöl abzudecken und diesen Schritt bis 2015 abzuschließen. Um unser klares Bekenntnis zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft zu bekräftigen, erwerben wir seit 2012 Zertifikate für nachhaltiges Palmkernöl für unser gesamtes Produktportfolio der Wasch- und Reinigungsmittel. Dies stellt sicher, dass für die Menge Palmkernöl, die zur Produktion von Tensiden für Wasch- und Reinigungsmittel von Henkel verwendet wird, eine entsprechende Menge nachhaltigen Palmkernöls hergestellt wird und in die Lieferkette für die Herstellung von Tensiden einfließt.
Der RSPO und der Zertifikatehandel
Der RSPO entstand auf Initiative des World Wide Fund For Nature (WWF) und interessierter Vertreter der Wirtschaft und verfolgt das Ziel, die nachhaltige Herstellung von Palm- und Palmkernöl zu fördern. Mehrere hundert ordentliche Mitglieder, darunter Palmölerzeuger, Konsumgüterhersteller, Einzelhändler, Banken und Investoren sowie Nichtregierungsorganisationen zählen mittlerweile zum RSPO. Sitz der Vereinigung ist Zürich, das Sekretariat befindet sich in Kuala Lumpur. Beim 5. Runden Tisch im Jahr 2007 wurde der Ausbau eines Zertifizierungs- und Vermarktungsmodells für Palmöl aus nachhaltigem Anbau verabschiedet. Dabei war es ein zentrales Anliegen, dass das Zertifizierungsmodell flexibel ist und die unterschiedlichen Bedingungen berücksichtigt, unter denen Palmöl und Palmkernöl gewonnen, weiter verarbeitet und gehandelt wird.
Der RSPO hat neben dem Zertifizierungsverfahren drei verschiedene Vermarktungsmodelle für Palmöl bzw. Palmkernöl von nachhaltig wirtschaftenden Palmölplantagen etabliert, die formal gleichwertig sind:
- Segregation, also die physische Trennung der Stoffströme von nachhaltigem und normalem Palmöl
- Massenbilanz, also die kontrollierte Vermischung von nachhaltigem und „normalem“ Palmöl bzw. Palmkernöl sowie
- "Book & Claim"-System inkl. Zertifikatehandel.
Da Tensidhersteller den Ausgangsrohstoff Palmkernöl nicht direkt beim Produzenten, sondern auf dem Weltmarkt einkaufen, ist für Rohstoffe auf Basis von Palmkernöl das "Book & Claim"-System zurzeit am besten geeignet. Eine physische Trennung von nachhaltig erzeugtem Palmkernöl von normalem Palmkernöl ist zwar möglich, erfordert aber hohe Investitionen in neue Pipelines, Transportmittel (Tankschiffe, Lkws, Eisenbahnwaggons) sowie Tanks und dementsprechend viel Zeit und Geld. Daher hat Henkel entschieden, sich auf das "Book & Claim"-System zu fokussieren. Im Jahr 2008 haben wir es in Zusammenarbeit mit der Handelsplattform GreenPalm von Palmöl auf Palmkernöl ausgeweitet und anschließend als weltweit erstes Unternehmen entsprechende Zertifikate gekauft. Möglich wurde dies, nachdem eine erste Palmölplantage nach den RSPO-Kriterien für eine nachhaltige Palmölwirtschaft anerkannt wurde.
So funktioniert das "Book & Claim"-System
Das "Book & Claim"-System basiert auf dem Handel mit Zertifikaten, die für eine entsprechende Menge an nachhaltig erzeugtem Palm- und Palmkernöl stehen. Die Zertifikate werden dabei getrennt von den physischen Produktströmen gehandelt. Ein bekanntes Beispiel für ein derartiges Zertifikatsystem ist der Ökostrom, der in Deutschland nach ähnlichen Kriterien gehandelt wird. Das System ist verhältnismäßig einfach: Plantagen, die den Nachhaltigkeitskriterien des RSPO genügen, erhalten Zertifikate für ihr nachhaltig hergestelltes Palm- und Palmkernöl und können diese verkaufen. Für diesen Handel mit Zertifikaten nach "Book & Claim" wurde eine spezielle Plattform gegründet, die von GreenPalm betrieben wird. Auf dieser Handelsplattform (http://www.greenpalm.org) können Produzenten von Palmöl und Palmkernöl registrieren, wie viel von ihrem durch RSPO-Auditoren zertifizierten Palmöl und Palmkernöl sie verkaufen wollen. Auf Basis dieser Registrierung werden die Zertifikate für nachhaltiges Palmöl bzw. Palmkernöl dann auf dem Markt gehandelt.
Warum Zertifikate wichtig sind
Die Zertifikate können durch den Anwender schnell und direkt angekauft werden. Dies gibt den Plantagenbetreibern einen ökonomischen Anreiz zur nachhaltigen Palmölwirtschaft. Zudem kommt der Erlös aus den Zertifikaten direkt dem Erzeuger zu Gute. Damit können lokale Initiativen (z.B. von Kleinbauern) unmittelbar unterstützt werden, ohne dass ein größerer logistischer Aufwand erforderlich ist. Käufer der Zertifikate können durch den Kauf belegen, dass eine den Zertifikaten entsprechende Menge nachhaltig hergestellten Palmöls oder Palmkernöl in die Lieferkette eingeflossen ist. Der Handel ist vollständig transparent, die erzielten Preise und verbrauchten Mengen können auf der Internetseite von GreenPalm nachvollzogen werden. Je größer die Nachfrage nach Zertifikaten wird, desto mehr nachhaltiges Palmöl und Palmkernöl wird es auf dem Markt geben. So wird sich der Markt mittel- und langfristig auf eine nachhaltige Produktion umstellen. Da wir die Tenside von unseren Rohstoff-Lieferanten beziehen und somit am Ende einer langen Lieferkette stehen, ist der Kauf von Zertifikaten neben unserer Mitarbeit im RSPO, in der "Palm Oil Coalition" sowie dem "Forum für nachhaltiges Palmöl" für Henkel die einzige Möglichkeit, eine nachhaltige Palmölwirtschaft zu unterstützen.
Externe Anerkennung
Henkels führende Rolle und der Beitrag zu einer nachhaltigen Palmölwirtschaft wird auch extern anerkannt. Der WWF hat Henkel in seiner weltweiten Palm Oil Buyers’ Scorecard im November 2011 mit der Höchstpunktzahl (neun von neun Punkten) in die Spitzengruppe eingestuft. In diesem internationalen Ranking bewertete der WWF über 130 Unternehmen, darunter 64 aus Deutschland aus der Konsumgüterindustrie und dem Handel hinsichtlich ihres Beitrags zur nachhaltigen Palmölwirtschaft.