Menü
Suchen

15.02.2018

Ein Gastbeitrag von Bastian Unterberg, CEO & Co-Founder der Open-Innovation-Plattform jovoto

Innovation durch Crowdstorming

Kaum jemand hätte es vor fünf Jahren für möglich gehalten, dass Google und Apple in naher Zukunft Wettbewerber der deutschen Automobilindustrie werden. Welcher Lebensmitteleinzelhändler hätte Amazon bereits vor fünf Jahren als potenziellen Konkurrenten betrachtet?

Bastian Unterberg, CEO & cofounder of jovoto

Bastian Unterberg: CEO & Co-Founder der Open-Innovation-Plattform jovoto

Gerade für große Organisationen wird die zunehmende Geschwindigkeit, mit der der digitale Wandel Märkte und Wettbewerb verändert, zur Herausforderung. Die Fähigkeit, konvergierende Technologien und gesellschaftliche Veränderungen richtig zu interpretieren – also weit über den eigenen Tellerrand zu schauen – und konsequent Entscheidungen zu treffen, wird durch etablierte Strukturen und interne Routinen erschwert. Statt eine Innovationskultur zu pflegen, die an den „Gamechanger“ von morgen denkt, rückt der steigende Innovationsdruck die altbewährte Management-Praxis in den Fokus, oft mit dem Ziel, das Bewährte um einige Prozentpunkte effizienter zu machen.

Angesichts paradigmenhafter Veränderungen werden ein paar Prozentpunkte jedoch nicht ausreichen. So beginnt mit der Suche nach Antworten innerhalb der eigenen Organisation zugleich auch ein Öffnungsprozess, der nicht selten durch Zweifel an der eigenen Innovationskultur angetrieben wird.

Accelerator-Programme, Startup Days, Company Builder, Innovation Labs, Venturing, Digital Labs, Experience Journeys ins Silicon Valley oder gar Hackathons – eine Vielzahl neuer Schnittstellen bietet sich an, um mit Innovationen außerhalb der eigenen Organisation in Berührung zu kommen. Selten sind diese explorativen Maßnahmen jedoch miteinander verknüpft oder gar Teil einer holistischen Strategie. Noch seltener treiben sie einen Veränderungsprozess voran, der die eigene Organisation übergreifend mitnimmt, die Innovationskultur stimuliert und am Ende die Organisation agiler werden lässt.

Gemeinsam mit Henkel arbeiten wir seit mehr als vier Jahren erfolgreich an der Öffnung von Innovationsprozessen. Dazu nutzen wir unsere globale Online-Plattform jovoto und fokussieren uns auf das Lösen konkreter Aufgaben entlang der gesamten Innovations-Pipeline. Ob es um Co-Creation mit Millennials zur Identifikation von Insights, einen Marketing-Benefit für eine konkrete Produktlinie, eine neue Verpackung oder um aufmerksamkeitsstarke Kommunikationsideen geht: Die Bandbreite der gemeinsam gelösten Herausforderungen ist vielfältig – von Marketing, Produkt, Verpackung, bis hin zu Service-Innovationen.

Die Arbeitsweise erfolgt dabei klar strukturiert: Auf Anfrage prüfen wir binnen weniger Tage, ob sich eine bestimmte Aufgabe für unseren Open-Innovation-Prozess eignet und ob wir für die Aufgabe die richtigen Talente in unserer Crowd – aktuell knapp 100.000 Kreativtalente aus der ganzen Welt – aktivieren können. Als „Preferred Vendor“ sind bei uns sowohl die Konditionen der Zusammenarbeit, als auch rechtliche Fragen geklärt, sodass das Projekt nach kurzer inhaltlicher Prüfung starten kann. Schnelle Projekte liefern bereits nach einer Woche Ergebnisse, umfangreichere Projekte sind nach bis zu vier Wochen abgeschlossen.

So haben Henkel und jovoto bereits 27 Projekte umgesetzt, über 1.300 Talente haben gemeinsam mehr als 1.400 Lösungen erarbeitet und dann „peer-to-peer“ in über 24.000 Diskussionen besprochen und evaluiert. Im Ergebnis sind rund 90 Lösungen für Henkel lizenziert worden. Im Markt bewähren sich die kollaborativ entwickelten Lösungen – so führte ein Projekt zur Neugestaltung der Verpackung der Somat-Spülmaschinentabs nicht nur zu einem breiten Spektrum an Insights, sondern auch zu dem Design, das seit April 2016 die umweltbewusste Haltung und Markenidentität von Henkel am Markt repräsentiert.

Die Erfolgsquote spricht für sich. Und wenn ein traditionsreiches DAX-Urgestein auf ein junges Technologieunternehmen trifft, dann lernen beide Partner voneinander. Aus den Projekten ist außerdem eine gigantische Datenmenge entstanden, die nun die Grundlage für ein holistisches „Innovation-as-a-Service-Modell“ bietet. Diese Daten erlauben nicht nur, die besten Talente aus der Crowd zu identifizieren, sondern zeigen vielmehr auf, wer auf welchem Problem, welchem Thema oder welcher Marke wohl die besten Ergebnisse liefern wird. So entsteht ein Talentpool, der immer effizienter und effektiver wird, je mehr er zum Einsatz kommt.

Ein solches „Innovation-as-a-Service-Modell“ hat das Potential, die Organisation entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitzunehmen und die Innovationskultur mit Kreativität von außen zu „befeuern“.