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18.01.2018

Henkel-Mitarbeiterin engagiert sich in Kamerun

Bildung ist der Schlüssel

Fünf Männer auf einem klapprigen Mofa, überladene Autos mit provisorisch befestigter Fracht, Gemüse- und Blechhändler auf den Straßen und der vom Eisenoxid rotgefärbte Sand, der sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer wieder in die Schuhe schleicht – so die ersten Eindrücke der Henkel-Mitarbeiterin Dr. Inga Vockenroth auf der Fahrt nach Akumalam.

Fünf Männer auf einem Mofa.

Alltag in Kamerun: Fünf Männer auf einem Mofa.

Inga Vockenroth, die als Managerin in der Forschung und Entwicklung von Spülmitteltabs tätig ist, unterstützt das Dorfschulprojekt im Nordwesten Kameruns bereits seit elf Jahren durch das Sammeln von Spenden. Ihren Traum von einem Besuch in Akumalam verwirklichte sie erst ein Jahrzehnt später. Der Vorstand des eingetragenen Vereins „Dorfschulprojekt“, zu dem auch Vockenroth gehört, hat sich zum Ziel gesetzt, das Wohlergehen der Menschen in den ländlichen Regionen rund um die Stadt Bamenda zu fördern. Die Bildung spielt dabei die Schlüsselrolle.

Eine Lehrstunde in der Dorfschule in Akumalam

Auch Zahnhygiene gehört zum Bildungsverständnis von Inga Vockenroth, die in der Dorfschule in Akumalam eine Lehrstunde zu dem Thema gibt.

„Im Februar 2016 war es endlich soweit: die erste Reise in das Dorf, das man schon so lange mit Herzblut unterstützt“, erzählt Vockenroth. „Ich habe die Reise zusammen mit meinem Freund Dr. Anye Chifen, der aus Kamerun stammt und das Projekt 2003 gegründet hatte, seinem fünfjährigen Sohn und mit Dr. Luis Duque, einem Freund aus Spanien, angetreten. Mit Anye wurde ich damals in Mainz zusammen promoviert. Er hatte den Verein kurz vorher gegründet. Ich war sofort von seinem Engagement beeindruckt, sodass ich mich entschloss, mich ebenfalls für das Projekt zu engagieren“, erinnert sich Vockenroth. Anye Chifen kommt aus Bamenda – einer Nachbarstadt von Akumalam mit 450.000 Einwohnern. Er kennt Akumalam gut, da Teile seiner Familie dort leben.

Von links: Inga Vockenroth, Anye Chifen, James Sama Chifen, Luis Duque und Henry Chifen

Von links: Inga Vockenroth, Anye Chifen, sein Vater James Sama Chifen, Luis Duque und Henry Chifen, Anyes Onkel, der in Akumalam lebt.

Das Zweitausend-Einwohner-Dorf Akumalam liegt im Nordwesten Kameruns, nur 40 Kilometer von Bamenda entfernt. Von dem wachsenden Wohlstand in Bamenda profitieren die herumliegenden Dörfer jedoch nicht. Die Menschen in den ländlichen Regionen leben meist in Armut ohne Perspektiven oder Arbeit. So auch in Akumalam.

In dem Dorf gibt es eine Grundschule, die vor dem Engagement von Vockenroth und den anderen Vereinsmitgliedern von nicht einmal 30 Prozent der Kinder besucht wurde. „Oftmals scheiterte es an der Schulgebühr, die jährlich umgerechnet 28 Euro beträgt. In Kamerun besteht zwar Schulpflicht, doch wenn die Eltern die Gebühr nicht bezahlen können, gehen die Kinder eben nicht in die Schule. Deswegen haben wir die ersten Spendengelder dazu verwendet, die Schulgebühren der Kinder in Akumalam zu übernehmen. Nun besuchen alle 115 schulpflichtigen Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren die Dorfschule in Akumalam“, erzählt Vockenroth.

Durch die steigenden Spendengelder konnten Schulgebühren von Kindern in drei weiteren Schulen übernommen werden. Diese befinden sich in den Nachbarorten Alatakoh, Alabukam und Chomba. Auch durch die Förderung der Henkel-Initiative „Miteinander im Team“ (MIT) konnte das Projekt weiterwachsen: 2012 eröffnete beispielsweise eine Bibliothek und 2016 ein Nähzentrum, in dem Mädchen und Frauen eine dreijährige Ausbildung als Näherin machen können. „Der Bau des Nähzentrums lag mir besonders am Herzen, da ich selbst auch leidenschaftlich gerne nähe“, erzählt Vockenroth. „Dort können nun die Schuluniformen für die Kinder günstig hergestellt werden, und die Dorfbewohner müssen diese nicht teuer einkaufen. Die Entwicklung des Nähzentrums ist sogar schon so weit, dass die Auszubildenden mehr Schuluniformen herstellen können als in dem Dorf benötigt werden. Diese werden dann in die Nachbardörfer verkauft. So konnten schon kleine Gewinne erzielt werden. Langfristig verfolgen wir das Ziel, dass sich die Bewohner von Akumalam selbst versorgen.“ Dazu sollte das Nähzentrum erweitert werden – mit Erfolg. „Zwar gab es seit November 2016 Unruhen in Kamerun, sodass die Nähschule für ein paar Monate schließen musste, nach zähen Verhandlungen und Gesprächen durften wir den Betrieb jedoch wiederaufnehmen“, so Vockenroth. Mittlerweile hat die Nähschule elf Schülerinnen, die sowohl Schuluniformen als auch andere Kleidungsstücke herstellen. Traditionelle Gewänder schmücken die Näherinnen mit klassischen Stickereien. Sogar Ketten und Schmuck aus Perlen werden von den Schülerinnen hergestellt.

Die Näherin nimmt Maß für eine neue Schuluniform

Die Näherin nimmt Maß für eine neue Schuluniform, denn in Kamerun herrscht Schuluniformpflicht.

Es geht also voran in Akumalam. Und Inga Vockenroth freut sich schon auf ihren nächsten Besuch in Kamerun: „Die Verabschiedung von den Menschen dort war schwer, da sie mir aufgrund ihrer Offenheit und Freundlichkeit wahnsinnig ans Herz gewachsen sind.“