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Weiße Biotechnologie

Alle Fragen der Ethik in Zusammenhang mit Biotechnologie und Gentechnik behandelt Henkel mit hoher Aufmerksamkeit und großem Ernst. Das Arbeitsfeld von Henkel ist jedoch sehr weit entfernt von den Bereichen der Gentechnik, die in der Öffentlichkeit insbesondere aufgrund von Ethikfragen häufig kritisch diskutiert werden.

Wir nutzen die Möglichkeiten von Bio- und Gentechnologie dann, wenn damit ein ökologischer Mehrwert, ein höherer Nutzen für die Verbraucher und ökonomische Vorteile für Henkel verbunden sind. Dabei beschränken wir uns auf ein Teilgebiet der Biotechnologie: die Weiße Biotechnologie (industrielle Biotechnologie), bei der keine bestimmungsgemäße Freisetzung von Mikroorganismen erfolgt. Unter dieser wird die Anwendung von Technologie an lebenden Organismen, deren Teilen sowie Produkten von ihnen verstanden. Die moderne Biotechnologie ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie die Methoden der Molekularbiologie gezielt nutzt. Unter anderem wird die Weiße Biotechnologie bei der Produktion von Enzymen für Waschmittel und maschinelle Geschirrspülmittel eingesetzt. Schon bei der Herstellung ist die Ökobilanz dieser Enzyme im Vergleich zu klassisch produzierten Enzymen deutlich günstiger. Das gilt sowohl für den Kohlendioxidausstoß als auch die Abwasserbelastung und den Energieverbrauch. Unsere Forscher und Produktentwickler arbeiten daher mit Rohstoffherstellern zusammen, die ausgewählte Inhaltsstoffe für Wasch- und Reinigungsmittel mithilfe Weißer Biotechnologie produzieren.

  • Energie sparen durch biotechnisch hergestellte Enzyme
  • Mikroorganismen bilden Enzyme
  • Weitere Inhaltsstoffe auf Basis von Weißer Biotechnologie
  • Rohstofflieferanten mit besonderer Expertise
  • Bioethische Charter

Enzyme sind unter anderem für den Stoffwechsel im pflanzlichen, tierischen und menschlichen Organismus lebenswichtig. Sie sorgen für den raschen Ablauf ganz bestimmter chemischer Reaktionen. So zerlegen die zur Klasse der Proteasen gehörenden Enzyme das mit der Nahrung aufgenommene Eiweiß in seine Grundbausteine, die Aminosäuren. Aus ihnen wird dann das spezifische körpereigene Eiweiß aufgebaut.

Die Fähigkeiten von Enzymen werden auch beim Waschen und maschinellen Geschirrspülen genutzt: Proteasen bauen gezielt eiweißhaltige Verschmutzungen ab, Lipasen entfernen Fettflecken – und dies bereits bei niedrigen Temperaturen. Deshalb sind Enzyme wichtige Inhaltsstoffe von Waschmitteln und maschinellen Geschirrspülmitteln. Auf dem Lebensweg eines Waschmittels wie auch Maschinengeschirrspülmittels – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung in der Kläranlage – wird die meiste Energie beim Wasch- bzw. Spülgang selbst verbraucht. Denn der Hauptenergiebedarf und damit die meisten Kohlendioxid-Emissionen entstehen durch die Benutzung der Wasch- bzw. der Spülmaschine, wie Lebenszyklusanalysen zeigen. Gleichzeitig ist der Energieverbrauch bei hohen Temperaturen erheblich größer als bei niedrigen. Es ist zu einem erheblichen Teil das Verdienst der Enzyme, dass moderne Waschmittel wie auch maschinelle Geschirrspülmittel heute schon bei niedrigen Temperaturen hervorragende Ergebnisse liefern. So wurden traditionsreiche Haushaltshelfer durch kontinuierlich verbesserte Enzyme inzwischen zu besonders energie- und ressourcenschonenden Produkten mit einem wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften.

Bestimmte Bakterien sind als natürlich vorkommende Mikroorganismen in der Lage, die für Wasch- und Maschinengeschirrspülmittel vorteilhaften Enzyme als ein Stoffwechselprodukt zu bilden: vorausgesetzt, sie werden richtig ernährt und finden die von ihnen bevorzugten Umgebungsbedingungen vor. Die Weiße Biotechnologie hat dazu großtechnische Verfahren entwickelt. Die Bakterien wachsen und vermehren sich kontrolliert in wasserbefüllten, geschlossenen Rührbehältern, sogenannten Fermentern. Durch eine exakte Steuerung unter anderem von Temperatur, Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr werden die optimalen Wachstumsbedingungen eingestellt und dadurch hohe Ausbeuten an Enzymen erzielt. Zum Schluss werden die Enzyme vollständig von den Bakterienzellen und den darin enthaltenen Geninformationen abgetrennt. Damit sich die gewonnenen Enzyme gut und sicher verarbeiten lassen, werden mit Hilfsstoffen wie Cellulosen, Stärke und Wachs stabile Enzymgranulate entwickelt. Da Henkel selbst keine Enzyme herstellt, führen Zulieferer den gesamten Produktionsprozess durch: In enger, partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit unseren Forschern werden die optimalen Enzyme für den Einsatz in Wasch- und maschinellen Geschirrspülmitteln entwickelt. Zudem beziehen wir Enzyme auch von Rohstoffherstellern, die diese Enzyme selbst entwickelt und optimiert haben.

Neben Enzymen setzt Henkel in seinen Wasch- und Reinigungsmitteln auch weitere Inhaltsstoffe ein, die mithilfe der Weißen Biotechnologie hergestellt werden. Dazu gehören Biotenside und Zitronensäure. Wir produzieren auch diese Inhaltsstoffe nicht selbst, sondern beziehen sie über unsere Rohstoffhersteller. Biotenside sind waschaktive Substanzen, die einen biologischen Ursprung haben. Sie werden mit Hefen oder Bakterien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Zitronensäure wird mit Hilfe eines speziellen Pilzes industriell produziert.

Henkel bezieht die Inhaltsstoffe, die mithilfe der Weißen Biotechnologie hergestellt wurden, von ausgewählten Rohstoffherstellern, die jahrzehntelange Expertise in der Weißen Biotechnologie aufweisen. Diese Rohstoffhersteller und Henkel selbst forschen mit biotechnischen Methoden insbesondere an der Entwicklung neuer und verbesserter Waschmittelenzyme. Vier Sicherheitsstufen für den Umgang mit gentechnisch veränderten Organismen legt die betreffende Rechtsverordnung der Europäischen Union fest. Die für die Herstellung von Enzymen verwendeten Mikroorganismen gehören ausnahmslos der Stufe mit dem geringsten Gefährdungspotential an.

Henkel bekennt sich zu der bioethischen Charter des europäischen Biotechnologieverbands EuropaBio und hält sich an deren Vorgaben. Die neun Punkte dieser Charter decken die mit der Gentechnik verbundenen Aspekte ab – vom Verbot des Klonens von Menschen bis hin zum Technologietransfer zwischen den Industriestaaten und Entwicklungsländern und den dabei zu beachtenden Voraussetzungen.

Es ist zurzeit in keiner Weise absehbar, dass wir uns bei der Erforschung neuer Anwendungsgebiete dem Grenzbereich des ethisch Verantwortbaren nähern könnten. In jedem Fall würden wir vor einer möglichen Ausweitung der Gentechnik zuallererst diesen Gesichtspunkt gewissenhaft prüfen.