Bei der Produktion von Zeitschriften und anderen Softcover-Produkten sitzt Buchbindern oft die Angst im Nacken. Da übliche PUR-Schmelzklebstoffe bis zu acht Stunden Aushärtezeit beanspruchen, sind verlässliche Qualitätskontrollen erst möglich, nachdem ein Auftrag fertig produziert wurde – selbst bei größeren Auflagen. Im negativen Fall bedeutet das hohe Ausschuss- oder Reklamationskosten. Henkel befreit die Buchbinder jetzt von diesem Risiko. Vom 14.-18. Oktober 2009 stellt Henkel auf der Frankfurter Buchmesse ein PUR-Klebstoffsystem vor, das mit Hilfe von UV-Licht in Minutenschnelle teilaushärtet und so unmittelbare Qualitätskontrollen ermöglicht.
Der Siegeszug der PUR-Hotmelts in der Grafischen Industrie setzt sich aufgrund ihrer hervorragenden Klebeleistung und langen Haltbarkeit unaufhörlich fort. Sie erfüllen von der Klebebindung über die Ableimung von fadengehefteten oder fadengesiegelten Büchern bis zur Seitenbeleimung und Vorsatzklebung sämtliche Anforderungen der Branche. Mittels leistungsfähiger Düsenauftragssysteme sind auch die hohen Geschwindigkeiten moderner Klebebindemaschinen unproblematisch.
Restrisiko mit empfindlichen Folgen
Einziges Manko ist die relativ lange Aushärtezeit, die bei den bisher gebräuchlichen PUR-Klebstoffen von der Luft- und Papierfeuchtigkeit abhängig ist und mindestens fünf Stunden beträgt. Erst anschließend kann die objektive und einzig sichere Qualitätsprüfung mittels Pull-Test durchgeführt werden. Für die Buchbindereien ist daher jeder Auftrag mit konventionellen PUR-Klebstoffen eine Art Blindflug, bei dem man im Prozess nur die Rückenbearbeitung und den Klebstoff-Auftrag beurteilen kann – anschließend muss man sich auf die erfahrungsgemäß hohe Erfolgsquote verlassen. Insbesondere die Herstellung auflagenstarker Softcover-Produkte mit hoher Geschwindigkeit bleibt jedoch mit Restrisiken verbunden, da sich Fehler während der Verarbeitung niemals hundertprozentig ausschließen lassen und für den Buchbinder empfindliche finanzielle Einbußen zur Folge haben können.
80 Prozent Aushärtung in 15 Minuten
Vor diesem Hintergrund hat Henkel das bereits in der Buchproduktion erprobte Verfahren zur schnelleren Aushärtung von PUR-Schmelzklebstoffen nun auch im Hinblick auf die Anforderungen des Softcover-Marktes zugeschnitten. Das System beruht auf modifizierten Polyurethan-Klebstoffen, die unter Einwirkung von UV-Licht in nur 15 Minuten bis zu 80 Prozent aushärten. Die dafür notwendigen UV-Lampen werden in den Klebebinder integriert. Zur Herstellung der Lampen, die sowohl durch Mikrowellen als auch durch Elektroden initiiert werden können, sind mehrere Hersteller zertifiziert. Das System lässt sich auf allen gängigen Klebebindern installieren, wobei sich Maschinen mit zwei Leimwerken als ideale Voraussetzung erwiesen haben.
Einwandfrei Funktion im Praxisbetrieb
Erfolgreiche Pilotprojekte bei Kunden in Deutschland, Italien und Spanien bestätigen die Marktreife des Verfahrens. Bei intensiven Tests hat sich gezeigt, dass der Auftrag und die Aushärtung auch bei höchster Geschwindigkeit des Klebebinders einwandfrei funktionieren. Typische Probleme beim Schneiden oder Niederlegen am Aushang des Binders ebenso wie die Lagenverschiebung bei dickeren Exemplaren wurden drastisch reduziert, sodass die fertigen Druckerzeugnisse schnell ausgeliefert werden können. Die von Henkel entwickelte UV-Technologie ermöglicht damit auch bei der Softcover-Produktion mit PURmelts Inline-Qualitätskontrollen und erhöht damit die Sicherheit bei der Nutzung leistungsstarker Klebemaschinen und Auftragssysteme. Große Buchbinderein und Verlage aus der ganzen Welt haben bereits starkes Interesse an der Neuentwicklung gezeigt.
Henkel AG & Co. KGaA